Das geologische Unikat gilt als eine der am schönsten ausgeprägten Stauchendmoränen Mitteleuropas. Aus der Luft betrachtet zeichnet er sich als großes Hufeisen ab, welches sich von Brandenburg über Sachsen nach Polen hinein erstreckt. Die Besonderheit liegt in seiner Entstehung. Vor ca. 320.000 Jahren schob sich während der Elsterkaltzeit aus dem mächtigen Inlandeisschild eine kleine Gletscherzunge mit rd. 500 m Mächtigkeit gen Süden vor. Durch das Eigengewicht des Gletschers und dessen Schubkraft wurde der Untergrund bis in eine Tiefe von 300 m deformiert. Die horizontale Schichtenfolge aus Sanden, Kiesen, Tonen und Braunkohle wurde gestaucht, im Vorfeld des Gletschers türmten sich die Lockergesteinsmassen zu einer Endmoräne von ca. 150 m über der Geländeoberfläche auf. Mehrfache Überfahrungen durch das Inlandeis der jüngeren Kaltzeit ebneten den Wall auf seine heutige Höhe ein. Auffällige Erhebungen finden sich dennoch, bspw. der Marienberg bei Groß Kölzig (159 m), der Hohe Berg bei Döbern (183 m), der Reuthener Brandberg (176 m) im Brandenburger Teil und weitere Erhebungen auf polnischer und sächsischer Seite.

Trotz seines ursprünglichen Alters ist der Muskauer Faltenbogen dennoch in ständiger Veränderung begriffen. Ein Charakteristikum des Faltenbogens stellen geologisch junge Bildungen, die sogenannten Gieser, dar. Dies sind langgestreckte, tief eingeschnittene und abflusslose Täler, die dort entstehen, wo Braunkohleflöze zutage treten. Das organische Material oxidiert mit dem Luftsauerstoff und sackt dadurch zusammen. Nach und nach schneiden sich die Talgründe immer tiefer in die Landschaft ein.

Aber der Muskauer Faltenbogen ist nicht nur beeindruckend wegen seiner Landschaftselemente. Mit der effektiven Nutzung der Rohstoffe, die im Muskauer Faltenbogen aufgrund der Deformation dicht unter der Oberfläche zu finden waren, begann die Industrialisierung in diesem Teil der Lausitz frühzeitig. Glassande wurden in großen Fabriken aufgeschmolzen und zu edlem Gebrauchsgut verarbeitet. Anfang des 20. Jahrhunderts lieferten die Fabriken ihre Produkte in alle Welt hinaus. Die Region mit ihren „Glasmacherstädten“ Döbern und Weißwasser galt zu diesem Zeitpunkt als Zentrum der weltweiten Glasproduktion. Tone dienten der Herstellung von Ziegeln und Dachziegeln, keramischen Behältern für die chemische Industrie und Tonwaren für den täglichen Bedarf. Raseneisenerze wurden im großen Umfang verhüttet und in Formen gegossen. Alaunerden und –tone stillten den Bedarf der chemischen Industrie. Hinter all den energieaufwändigen Produktionen stand der Abbau der Braunkohle im Tage- und Tiefbau. Ab 1843 waren zeitweilig über 90 Gruben gleichzeitig aktiv. Erst mit dem großflächigen und damit effektiveren Abbau der Braunkohle in den Teilen der Lausitz mit ungestörter Schichtenfolge verlor der Muskauer Faltenbogen als Rohstofflieferant an Bedeutung. Relikte dieser Zeiten sind jedoch überall gegenwärtig. Besonders beeindruckend sind die Restseen, die sich wie bereits zuvor die unberührten Gieser dicht an dicht über hunderte von Metern bei relativer geringer Breite erstrecken und in allen Farben schimmern. Ein Refugium, welches sich die Natur nach und nach zurück erobert hat und nunmehr durch seine Unberührtheit und Einzigartigkeit punktet. Heute ist der Muskauer Faltenbogen eine Altbergbaulandschaft voller mannigfaltiger Gewässer und ein waldreicher Naturraum mit bedeutender ökologischer Vielfalt.

Im Jahr 2006 wurde der Muskauer Faltenbogen als Nationaler Geopark anerkannt, seit 2011 darf er sich mit dem UNESCO-Prädikat schmücken. Um seine Entwicklung bemühen sich Brandenburg, Polen und Sachsen gemeinsam. Erstmals konnte 2012 ein über INTERREG-IVa-Fördermittel finanziertes Geoparkbüro in Döbern eingerichtet werden.

Und was haben Sie davon? - Sie können den Spuren der Bergbau- und Industriegeschichte auf der „Altbergbautour“ (22km) und der „Glas-Tour“ (33km) folgen oder die Kräfte der Natur und die landschaftliche Schönheit auf der „Geologie-Tour“ (23 km) oder der „Jerischker Endmoräne - Neißetal-Tour“ (24 km) erfahren. Sie können auch die eindrucksvolle Aussicht auf das Gebiet des Muskauer Faltenbogens vom 36m hohen Aussichtsturm am Felixsee genießen. Oder Sie machen einen entspannenden Spaziergang durch die in spektakulären Farben schimmernden Restseen und das Reuthener Moor.

Für anspruchsvolle Touren stehen Ihnen ausgebildete Geoparkführer zur Verfügung. Diese begleiten Sie gerne auf Ihrer Wanderung durch die Jahrhunderte alte Kulturlandschaft. Ausführliche Informationen zum Muskauer Faltenbogen und seinen Besonderheiten erhalten Sie ganzjährig im Geoparkbüro in Döbern!

Weitere Informationen unter
Geopark Muskauer Faltenbogen

Muskauer Straße 14
03159 Döbern
Tel: 035600 3687-12 und -13 und -14
E-Mail: info@muskauer-faltenbogen.de
Web: www.muskauer-faltenbogen.de