Schlachthof

Alte Bezeichnung


Schlachthof
Gemarkung: Spremberg
Flur 19, Flurstück 64/13, 64/14

Bei dem Schlachthof handelt es sich um eine aus mehreren Gebäuden zusammengesetzte Anlage (vgl. Lageplan): In der Mitte zwischen den beiden Grundstückseinfahrten ist das nur leicht zurückgesetzte Beamtenhaus (Wohnhaus und Verwaltungsgebäude) angeordnet. Dahinter liegen im Norden der Rinder- und Pferdestall und im Süden der später eingreifend umgebaute Schweinestall, dazwischen das eigentliche Schlachthaus. An Letzteres schließt rückwärtig direkt das Heizhaus an, einzeln stehend befindet sich weiter östlich das erste nachträglich im Jahre 1893 errichtete Kühlhaus.
Wie zahlreiche öffentliche Bauten des 19 Jahrhunderts zeichnen sich die Gebäude des ehemaligen Spremberger Schlachthof durch ihre backsteinsichtigen roten Fassaden aus, die sparsam, aber durchaus qualitätvoll mit kleinen fialenartigen Türmchen seitlich der Giebelfassaden, geschosstrennenden Rautenfriesen mit gelben Formsteinen, von gelben Klinkersteinen gerahmten Fenstereinfassungen, schwach vortretenden Lisenen usw. belebt sind. Trotz zahlreicher nachträglicher Anbauten, die nicht denkmalrelevant sind, konnte der ursprüngliche Gesamteindruck des Schlachthofes weitgehend bewahrt werden.
 
Das zweigeschossige Beamtenwohnhaus von vier zu fünf bzw. sechs Achsen mit Walmdach weist vier durch Fensteranordnung und Ausbildung von Vor- und Rücksprüngen der Wand leicht unterschiedlich gestaltete Fassaden auf. Hervorzuheben ist an der Straßenfassade eine Inschriftentafel mit plastischem Rinderkopf „Öffentlicher Schlachthof d. hieß: Fleischer. Innung 1888.“ Im Erdgeschoss befanden sich das Büro des Verwaltungsbeamten, das Zimmer für die Trichinenschau und die Wohnung für den Schlachthofmeister, im oberen Stockwerk die Wohnung des Schlachthoftierarztes und ein Versammlungsraum für die Fleischerinnung. In jüngerer Zeit kam es zu Veränderungen durch den Ausbau des Daches sowie die Zumauerung des östlichen Ausgangs.
Dem giebelständig zur Straße ausgerichteten Rinderstall, einem sechsachsigen Rechteckbau mit hohem Satteldach, ist auf der Westseite ein eingeschossiger bauzeitlicher Anbau vorgelagert, der heute durch einen weißen Verputz entstellt ist. Nur zum Teil  haben sich am Rinderstall die bauzeitlichen Segmentbogenfenster mit ihrer kleinteiligen Metallsprossung erhalten, größtenteils sind sie durch moderne querrechteckige Fenster ersetzt. Im Inneren haben sich neben den konstruktiv bedingten gusseisernen Säulen, die preußische Kappen tragen, noch die alten Futterkrippen erhalten.
Beim Schlachthaus handelt es sich um einen mit Rinderstall vergleichbaren Bau, dieser ist allerdings etwas länger und zudem zur Straße traufständig angeordnet. Durch einen niedrigen, dem Gebäude auf der gesamten Länge vorgestellten Anbau ist sein ursprünglicher Anblick gestört, die dahinter sichtbare Fassade zeigt allerdings, dass die alte Wandstruktur erhalten geblieben ist. Aus der Bauzeit stammt der rückwärtig kurze Flügel des Heizhauses mit dem hohen Schornstein. Die hohe Halle im Inneren wird von preußischen Kappen mit überspannt, die von gusseisernen Säulen getragen werden; nach 1930 wurde das Schlachthaus nach Süden hin durch einen zweigeschossigen Anbau erweitert, der direkt an den Schweinestall anstößt.
Ehemals war der giebelständige Schweinestall als Pendant zum Rinderstalls gestaltet, so dass diese beiden Gebäude zusammen mit dem Schlachthaus einen fast regelmäßigen dreiseitigen Hof ausbildeten, der mit dem Beamtenwohnhaus als Hauptbau in der Grundstruktur an eine barocke Gutshofanlage erinnerte. Diese recht regelmäßige Anlage wurde durch Umbaumaßnahmen nach 1930 verändert. Der Schweinestall wurde um ein Geschoss ausgestockt, mit einem Flachdach versehen und schloss nun durch die Erweiterung des Schlachthauses direkt an dieses an. Trotz dieser Veränderungen wurde durch die Übernahme des Material und der Dekorationsformen an die ursprüngliche Bausubstanz angeknüpft.
Das 1893, also wenige Jahre nach Inbetriebnahme des Schlachthofes, errichtete Kühlhaus besteht im Kern aus einem blockhaften, weitgehend unbelichteten Baukörper – dem eigentlichen Kühlraum - , der durch in der Höhe gestaffelte Anbauten einen unregelmäßigen Aufriss erhält. Das sich im Dekor an den früheren Bauteen des Schlachthofs orientierende Gebäude schließt mit einem flachen Pultdach ab. Auf Grund des schlechten Bauzustands konnte das Kühlhaus nicht im Inneren begutachtet werden.
 
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde den gefallenen Fleischern Sprembergs auf dem Gelände des Schlachthofs ein Denkmal gesetzt. Der auf einem grob behauende Granitsockel befindliche, von kannelierten Eckpfeilern gerahmte Gedenkstein trägt die Inschrift „Zum Gedächtnis der im Weltkrieg 1914-1918 gefallenen Meister und Gesellen der Fleischerinnung Spremberg“ sowie die Namen der 14 Gefallenen, Bekrönt wird der Gedenkstein von einem geschwungenen Aufsatz mit dem Innungszeichen der Spremberger Fleischer, dem Standarte führenden Lamm in einem Wappenfeld. Die ehemals das Wappen frankierenden Eisernen Kreuze sowie das den Sockel schmückende Relief eines Stahlhelms wurden nach 1945 entfernt (BLDAM).
 
 

Lage


03130 Spremberg
Berliner Straße
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